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Das Ozeaneum in Stralsund (Meeresaquarium)

Ein Besuch in einem der wahrscheinlich teuersten Meeresaquarien Europas

Es war ein Samstag Ende August bei eher herbstlichem Wetter, an dem wir uns das als spektakulär angepriesene Ozeaneum in Stralsund ansehen wollten. Zig Millionen wurden in den Bau investiert, da waren wir natürlich alle mächtig gespannt, was für ein atemberaubendes Erlebnis uns bei der versprochenen “Reise durch die nördlichen Meere” erwarten würde.

Ozeaneum Stralsund 1Das erste Mal kamen wir am frühen Nachmittag und die Warteschlange wand sich über den gesamten Vorplatz. Da wir nicht zwei Stunden anstehen wollten, fragten wir nach und man sagte uns, dass es ein paar Stunden später erheblich leerer sein sollte. Wir kamen gegen 17.00 Uhr wieder (Öffnungszeit Juni bis September bis 21.00 Uhr) und mussten tatsächlich nicht lange warten, um in den architektonisch ungewöhnlichen Bau eingelassen zu werden.

Ozeaneum Stralsund 2So sieht es von hinten aus, das Ozeaneum. Es erinnert mich irgendwie an das Guggenheim Museum in New York von dem Architekten Frank Gehry. Der Bau musste in die historischen Häuser am Hafen eingepasst werden. Wie gut das gelungen ist mag jeder für sich selbst beurteilen.

Ja, wir war es denn nun in dem Ozeaneum?!

Ich habe gerade nochmal recherchiert: Der ursprünglich mit 50 Millionen veranschlagte Museumsbau soll letztendlich 60 Millionen Euro gekostet haben (jaja, das sind wirklich ca. 120 Millionen Deutsche Mark). “Die Aquarien wurden mit einem finanziellen Aufwand von ca. 500.000 Euro gestaltet.” (Quelle Wikipedia).

Noch Fragen oder ahnst Du es bereits?

Mann, so habe ich mich lange nicht mehr aufgeregt. Da verbauen die 60 Millionen Euro und kleckern dann mit Trinkgeld bei den Aquarien? Man läuft durch Räume mit Schautafeln und Schaukästen, sieht natürlich auch viele nette Aquarien mit lustigen Fischchen, aber das war für mich ein Museum mit dem Stand der Pädogogik, Inszenierung, Unterhaltung und Technik von vor zig Jahren. Verpackung hui, innen … naja, zumindest passen Verpackung und Inhalt einfach nicht zusammen. Ich schätze, diejenigen, die die Ausstellungen und Aquarien konzipiert und gestaltet haben, können gar nicht so viel dafür. Mit 500.000 EUR lassen sich eben keine Wunder vollbringen. Aber warum werden gleichzeitig 60 Millionen in den Museumsbau investiert? Hätte man da nicht wenigstens etwas mehr für die Aquarien nehmen können?

Stell Dir vor, Du lässt Dir ein Architektenhaus für 1 Million Euro bauen. Darin befindet sich dann ein 120 Liter großes Aquarium mit Guppys und Du lässt einen Karpfen in Deiner Badewanne schwimmen. Das nur als Vergleich um das Größenverhältnis von Erwartungen an den Besuch angesichts des Baus und dem tatsächlichen Erlebnis zu verdeutlichen. Ich bitte um Entschuldigung, wenn ich nicht ganz objektiv bleibe, aber da geht mit echt die Hutschnur hoch. Zumal es mit 14 Euro Eintritt pro Erwachsenem nicht gerade billig war.

Hinterher haben wir wirklich von allen, die auch im Ozeaneum waren, gehört, dass sie genauso enttäuscht waren. Es ging also nicht nur mir so.

Gibt es auch etwas positives?

Der letzte Raum der Ausstellung hat mir ehrlich gesagt wirklich gut gefallen:

1:1 - Riesen der Meere

Riesen der MeereIn diesem hohen Saal ohne Tageslicht hängen vier lebensgroße Modelle von Walen an der Decke: Ein Blauwal, eine Buckelwal-Mutter und ihr Kalb und ein Orka. Die Ausstellung wird nur schwach blau ausgeleuchtet, so dass man das Gefühl hat sich im Meer inmitten der riesigen Wale zu befinden. Aus den Lautsprechen sind originale Walgeräusche zu hören und es gibt Sitzbänke und Liegen zum Lauschen. Das war wirklich ein schönes und ungewöhnliches Erlebnis. Das hatte was. (Und wenn jetzt noch riesige Leinwände an den Wänden gewesen wären, auf die Filme von schwimmenden Walen aus Tauchersicht projiziert würden, so dass man das Gefühl gehabt hätte mitten in einer Walherde zu schwimmen … naja, war nur so eine spontane Idee…) Dieser Raum kam ganz zum Schluss und da war die Enttäuschung bei allen schon so groß, das es auch nicht mehr wirklich entschädigen konnte.

Hätte man sich bei der Konzeption des Museums mehr auf solche kreativen Ideen und Erlebnisse konzentriert, hätte das Ozeaneum viel gewonnen. So war es leider eine große Enttäuschung. Vielleicht lernen die Verantwortlichen daraus. Wenn sie Anregungen brauchen, können sie mich gerne fragen.

Ach ja, hier geht es zur Website des Ozeaneums: www.ozeaneum.de

Mein Tipp: Das gute alte “Deutsches Meeresmuseum” in Stralsund hat mir und allen anderen, die ich kenne, besser gefallen (www.meeresmuseum.de).

Eins hätte ich fast vergessen: Stralsund ist wirklich schön, mit seiner historischen Altstadt und dem Hafen. Dafür hat sich der Ausflug auf jeden Fall gelohnt.

P.S.: Dieser Beitrag stammt vom 25.8.08 und ich weiß, dass das Ozeaneum zu diesem Zeitpunkt innen noch nicht komplett fertig ist. Aber ich bin sehr skeptisch, ob da noch so viel rauszuholen ist. Wunder werden da nicht mehr vollbracht, fürchte ich. Da hätte man das Budget von Anfang an schon anders investieren müssen. Übrigens sollen die Eintrittspreise steigen, wenn alles fertig ist.